Ein Film von Marcin Wierzchowski
Allgemein














an alle, die rund um den 19. Februar 2025 mit uns aktiv waren und die mitgeholfen haben, dass Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung und Konsequenzen – die vier Forderungen aus Hanau – in so vielen Orten und Medien eine starke Präsenz gefunden haben.
Danke an alle, die sich in Hanau und nahezu 100 weiteren Städten an Gedenkaktionen und Demonstrationen zum fünften Jahrestag des rassistischen Terroranschlags vom 19.02.2020 beteiligt haben. Es waren sehr berührende Bilder, Momente des Zusammenkommens, der Trauer und der Wut, die uns Mut machen in diesen Zeiten. Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn Ihr uns Fotos, Videos oder kurze Berichte zuschickt.
Danke an alle Mitwirkenden und insbesondere an die Betroffenen aus dem Netzwerk der Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, die mit uns das selbstorganisierte Gedenken am 15. Februar gestaltet haben.
Auf unserer Webseite findet sich inzwischen einen Mitschnitt.
Danke an alle, die seit 5 Jahren an unserer Seite stehen, die die Namen an so viele Orte getragen haben und die uns weiter Kraft und Hoffnung geben.
Erinnern heißt verändern!
Am 19. Februar jährt sich der rassistische Anschlag in Hanau zum 5. Mal. An diesem Tag werden wir in Hanau an den Friedhöfen und Tatorten gedenken. Infos dazu folgen.
In Hanau findet im Kontext des Jahrestages folgendes statt:
Samstag, 15.2.2025
16:00 Uhr Demo Jugendbündnis ab Marktplatz Hanau
19:00 Uhr Gedenkveranstaltung #5 Jahre danach im CPH Hanau, Einlass 17.30 Uhr
Sonntag, 16.2.2025
10:30 Uhr Zentraler Gedenkgottesdienst zum 19.2. in der Marienkirche Hanau
15:00 Uhr Gedenkveranstaltung für Kaloyan Velkov – Christkönig Gemeinde Erlensee, Norbert Weidlich Haus
Montag, 17.02.2025
19.00 Uhr Podiumsgespräch zum 5. Jahrestag des rassistischen Anschlags, Marienkirche Hanau
Mittwoch, 19.2.2025
9:00 Uhr Muslimisches Gebet am Hanauer Hauptfriedhof
12:00 Uhr Offizielles Gedenken im CPH in Hanau
14:00 Uhr Friedhof Offenbach Gedenken am Grab von Mercedes Kierpacz
15:00 Uhr Dietzenbach Friedhof Gedenken am Grab von Sedat Gürbüz
16:30 Uhr Muslimisches Gebet am Hanauer Hauptfriedhof
ab 21:30 Uhr Gedenken am Heumarkt und am Kurt-Schumacher-Platz in Kesselstadt
#5Jahredanach – Gedenkveranstaltung am 15. Februar 2025 in Hanau
Seit fünf Jahren sagen wir ihre Namen, seit fünf Jahren fordern wir Gerechtigkeit und Aufklärung. Doch ohne Konsequenzen gibt es keine Gerechtigkeit. Behördenversagen, mangelnde Aufklärung und ausbleibende Konsequenzen zeigen, dass es weitergehen muss.
Mit Beiträgen von Angehörigen aus Hanau, dem Betroffenennetzwerk rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, Theater, Forensic Architecture/Forensis und weiteren Freund:innen, die uns in den letzten fünf Jahren begleitet haben. Wir reflektieren gemeinsam über das, was war, und das, was noch zu tun ist.
Durch Musik, Film, Theater, Wortbeiträge und Reden schaffen wir Raum für eine Rückschau auf die vergangenen Jahre und richten zugleich den Blick nach vorn.
Ort und Zeit:
📍 Congress Park Hanau, Schlossplatz 1
📅 Samstag, 15. Februar 2025
⏰ Einlass ab 17:30 Uhr, Veranstaltungsbeginn: 19:00 Uhr
📧 Bitte anmelden über: anmeldung@saytheirnames-hanau.org
#5Jahredanach – Erinnern heißt Verändern
Lasst uns zusammenkommen – für das Leben, gegen die Angst.
#saytheirnames
#erinnernheißtverändern
DIE AUFZEICHNUNG DER GESAMTEN VERANSTALTUNG FINDET
IHR AUF UNSERER WEBSEITE UNTER DER RUBRIK AKTIONEN – VIDEOS

Gedenkveranstaltung am 15.02.2025 im Congress Park Hanau zum fünftes Jahrestag
Videobeitrag von Emiş Gürbüz, Mutter von Sedat Gürbüz, im Kontext der Gedenkveranstaltung #5Jahredanach, die am 15.02.2025 in Hanau stattfand. Das dazugehörige Video mit Bildern aus dem Leben von Sedat findet ihr ab dem 19.02.2025 auf unserem YouTube-Kanal.

Gedenkveranstaltung #5 Jahre danach im CPH Hanau am 15.02.2025
Redebeitrag von Çetin Gültekin, Bruder von Gökhan Gültekin, im Kontext der Gedenkveranstaltung #5Jahredanach, die am 15.02.2025 in Hanau stattfand. Er berichtet davon, was wir in Hanau, aber auch die gesamte Zivilgesellschaft geleistet haben und an welcher Stelle wir gegen den grassierenden Rassismus in Deutschland nichts ausrichten konnten.

Gedenkveranstaltung am 15.02.2025 im Congress Park Hanau zum fünftes Jahrestag
Redebeitrag von Valentino Juliano Kierpacz, Sohn von Mercedes Kierpacz, im Kontext der Gedenkveranstaltung #5Jahredanach, die am 15.02.2025 in Hanau stattfand. Er spricht über seine Familie und seine Enttäuschung gegenüber der Politik und was ihm trotzdem Kraft zum Weitermachen gibt.

Gedenkveranstaltung #5 Jahre danach im CPH Hanau am 15.02.2025
Redebeitrag von Vaska Zlateva im Kontext der Gedenkveranstaltung #5Jahredanach, die am 15.02.2025 in Hanau stattfand. Sie reflektiert in ihrem Beitrag die letzten 5 Jahre, in denen sie die Erinnerung an ihren Cousin Kaloyan Velkon immer wach gehalten hat.

Gedenkveranstaltung am 15.02.2025 im Congress Park Hanau zum fünftes Jahrestag
Redebeitrag von Derya und Hayrettin Saraçoğlu, Bruder und Schwägerin von Fatih Saraçoğlu, im Kontext der Gedenkveranstaltung #5Jahredanach, die am 15.02.2025 in Hanau stattfand. Hayrettin leitet den Beitrag ein, Derya ergänzt die Rede mit einem selbstverfassten Gedicht.
#Hanauistueberall
Auch zum 5. Jahrestag des rassistischen Anschlags vom 19. Februar 2020 rufen wir bundesweit zu dezentralen und vielfältigen Gedenk- und Solidaritätsaktionen auf.
Um auf die Liste aufgenommen zu werden schreibt einfach eine Mail an:
ueberall@saytheirnames-hanau.org
Material:
Anlässlich des 5. Jahrestags haben wir eine Plakat-Kampagne gestaltet, die unsere anhaltenden Forderungen nach Gerechtigkeit, Aufklärung, Konsequenzen und Erinnerung zeigt. Druckvorlagen stehen hier auf unserer Webseite zu Verfügung. Macht Unmut und Forderungen, Kraft und Solidarität in euren Städten durch die Plakate sichtbar.

Plakate zum Download A2
Plakate zum Download A3
Weiteres Material findet ihr hier:
An folgenden Orten finden am und um den 19. Februar 2025 Kundgebungen, Demos und Gedenkveranstaltungen statt. Diese Übersicht wird fortlaufend aktualisiert. Wenn ihr noch weitere Veranstaltungen plant oder Infos ergänzen wollt, meldet sie uns gerne via ueberall@saytheirnames-hanau.org
Wir geben uns Mühe, auf der Website kontinuierlich die Gedenkveranstaltungen upzudaten. Bitte bedenkt aber, dass die Informationen ohne Gewähr sind und wir nur teilen, was uns weitergeleitet wird. Danke für euer Verständnis!
Veranstaltungen vom 12.–15. Februar
12.02. | Hamburg | 20:00 | Café Knallhart | Gedenken
12.02. | Heidelberg | BIPoC Safer Space | erinnern.verändern
13.02. | Nürnberg|20:30|Arsch |Friedrich|Infoveranstaltung
15.02. | Darmstadt | Darmstadt HBF | Anreise nach Hanau
15.02. | Marburg | 16:00 | Marburg HBF | Anreise nach Hanau
15.02. | Bensheim | 17:30 | Marktplatz | Veranstaltung
15.02. | Köln | 13-17 | Stelze | Bannermalen für Demo
15.02. | Darmstadt | Darmstadt HBF | Anreise nach Hanau
15.02. | Marburg | 16:00 | Marburg HBF | Anreise nach Hanau
Veranstaltungen vom 16.–18. Februar
16.02. | Heusenstamm | 16:00 | Bahnhofsvorplatz |Veranstaltung
17.02. | Kaiserslautern | 19:00 | Eselsohr | Veranstaltung
18.02.| Hamburg | 18:00 | Seeveplatz
18.02.|Heidelberg| 20:00|Collegium Academicum|Veranstaltung
18.02. | Heidelberg | Poetry Slam | erinnern.verändern
Veranstaltungen am 19. Februar
Aachen | 18:00 | Bahnhof Rothe Erde | Demo
Augsburg | 17:00 | Kresselsmühle | Veranstaltung
Augsburg | 18:30 | Rathausplatz | Veranstaltung
Aschaffenburg | 19:00 |City Galerie | Mahnwache
Bamberg | 18:00 | Gabelmann | Mahnwache
Berlin | 17:30 / 19:00 | Sonnencenter | Demo
Bielefeld | 18:00 | Rathaus | Veranstaltung
Bochum | 18:00 | Hauptbahnhof | Demo
Bonn | 18:30 | Münsterplatz | Demo
Bottrop | 17:00 | Altmarkt
Braunschweig | 17:00 | Am Kohlmarkt | Mahnwache
Bremen | Theater Bremen | Gedenkaktion
Bremen | 17:30 | Am Brill | Demo
Büdingen Düdelsheim | 19:00| Bei der Kirche 1 | Lichterkette
Celle | 17:00 Stechbahn | Gedenkkundgebung
Chemniz | 17:30 | Roter Turm
Coburg | 17:00 | Marktplatz | Mahnwache
Cottbus | 19:00 | Zelle79 | Gedenkveranstaltung
Darmstadt | 17:00 | Friedensplatz | Demo
Duisburg-Marxlo | 17:30 | Johannismarkt | Demo
Düsseldorf | 18:00 |Oberbilker Markt |Veranstaltung
Erfurt | Cafe Nilos
Erlangen | 17:00 | Hugenottenplatz | Kundgebung
Frankfurt | 18:00 | Hauptwache | Demo
FrankfurtPreungesheim| 17:00|Gravensteinerplatz
Freiburg | 17:00 | Platz der Alten Synagoge
Friedberg | 18:00 Uhr | Europaplatz | Mahnwache
Gießen | 20:00 | Stadttheater Gießen |Gedenkkonzert
Gummersbach | 17:30 | Lindenplatz | Mahnwache
Hannover | 17:00 | Halim Dener Platz | Demo
Hamburg | 18:00 | U Horner Rennbahn | Demo
Heidelberg | 18:00 | Marktplatz | Demonstration
Heilbronn | 18:00 Uhr | Kiliansplatz | Kundgebung
Jena | 16:00 Uhr Johannistor | Kundgebung
Kaiserslautern | 19:00 | Eselsohr | Veranstaltung
Kaiserslautern | 17:00 | Kerstr./Fackelstr| Gedenken
Karlsruhe | 18:00 | Marktplatz | Demo
Kassel | 16:30 | Vor dem Rathaus | Veranstaltung
Kiel | 17:30 | Asmus-Bremer-Platz | Veranstaltung
Krefeld | 18:00 | Hülser Marktplatz | Mahnwache
Köln | 18:00 | Wiener Platz/ Heumarkt | Demo
Konstanz | 18:00 | Herosé-Park | Demo
Landau | 18:00 | Stiftplatz | Kundgebung
Leipzig | 18:00 | Graffitiwand im Rabet | Gedenken
Ludwigsburg | 19:30 | DemoZ | Gedenkaktion
Lübeck | 12:00 | Rathaus | Mahnwache
Lüchow | 11:00 | Marktplatz | Kundgebung
Magdeburg | 16:00 Hasselbachplatz |Kundgebung
Mainz | 20:00 | Staatskanzlei | And now Hanau
Mannheim | 17:00 | Marktplatz
Marburg | 17:00 | Friedrichplatz | Demo
Mönchengladbach | 18:00 | Hauptbahnhof |Mahnwache
München | 17:00 | Am Harras | Demo
München | 19:30 | Marienplatz | Kundgebung
Nürnberg | 18:30 | Am Plärrer | Demo
Oberhausen | 17:30 | Bahnhofsvorplatz
Oldenburg | 17:00 | Rathausmarkt
Osnabrück | 18:00 | Hauptbahnhof | Kundgebung
Passau | 17:30 | Ludwigsplatz | Kundgebung
Pirna | 19:00 | Rathaus
Regensburg | 17:00 | Neupfarrplatz | Kundgebung
Rosenheim | 19:00 | Bahnhof | Demo
Saarbrücken | 16:00 | Europagalerie | Mahnwache
Siegen Weidenau | 17:00 | Hauptmarkt | Mahnwache
Stuttgart | 17:30 | Schwab-/Bebelstraße | Demo
Stuttgart | 19:00 | Schlossplatz | Kundgebung
Tübingen | 18:30 | Marktplatz | Kundgebung
Trier | 18:00 | Porta Nigra
Wien | 18:00 | Omofuma Stein | Gedenken & Demo
Werder (Havel) | 18:00 | Inselbrücke | Kundgebung
Oldenburg | 17:00 | Rathausmarkt
Osnabrück | 18:00 | Hauptbahnhof | Kundgebung
Passau | 17:30 | Ludwigsplatz | Kundgebung
Pirna | 19:00 | Rathaus
Regensburg | 17:00 | Neupfarrplatz | Kundgebung
Rosenheim | 19:00 | Bahnhof | Demo
Saarbrücken | 16:00 | Europagalerie | Mahnwache
Siegen Weidenau | 17:00 | Hauptmarkt | Mahnwache
Stuttgart | 17:30 | Schwab-/Bebelstraße | Demo
Stuttgart | 19:00 | Schlossplatz | Kundgebung
Tübingen | 18:30 | Marktplatz | Kundgebung
Trier | 18:00 | Porta Nigra
Wien | 18:00 | Omofuma Stein | Gedenken & Demo
Werder (Havel) | 18:00 | Inselbrücke | Kundgebung
Wiesbaden | 17:00 | Dern’sches Gelände | Mahnwache
Wuppertal | 17:30 | Wupperfelder Markt | Demo
Würzburg | 17:00 | Marktplatz | Demo
Veranstaltungen nach dem 19.02.2025
20.02. | Schwalbach-Limes | 18:30 | Marktplatz
21.02. | Bochum | 19:30 | Schauspielhaus
22.02. | Berlin | 14:00 | Oranienplatz | Kundgebung
22.02. |Gladbeck|18:00|Willy-Brandt-P|Kundgebung
22.02. | Lüchow | 11:00 | Marktplatz | Kundgebung
22.02. | Münster | 12:00 | Hauptbahnhof | Demo
23.02. | Stuttgart | 17:00 | Schlossplatz | Mahnwache
24.02.|Dortmund|18:00|Friedensplatz|Veranstaltung
25.02. | Karlsruhe | 19:00 | Marktplatz | Kundgebung
01.03. | Erfurt | 16:30 | Anger | Mahnwache
05.03. | Dresden | 17:00 | Neumarkt | Kundgebung
06.03. | Frankfurt | 18:30 | Stadthaus| Veranstaltung
Nach über 4 Jahren meldet sich der neue hessische Innenminister Poseck zu Wort und bittet die Betroffenen des rechtsterroristischen Anschlags in Hanau um Entschuldigung für die Fehler, die passiert sind. Gut, dass das endlich passiert!
Aber: Man kann kein Vertrauen zurückgewinnen, wenn man die zentralen Versäumnisse der Polizei und die dafür Verantwortlichen auch nach vier Jahren nicht beim Namen nennt! Man kann kein Vertrauen zurückgewinnen, wenn man sagt, die Polizei habe trotz allem gut gearbeitet!
Wir wissen: Die Verantwortlichen sind entweder befördert oder in den Ruhestand geschickt worden, dazu sagt der Innenminister kein Wort. Wenn er einsieht, dass der nicht besetzte Notruf ein Fehler war, wieso benennt er keine Verantwortlichen und die, die vertuscht haben? Nur ein Beispiel: Roland Ullmann, am 19.2.2020 der Chef des Polizeipräsidiums Südosthessen und damit hauptverantwortlich, wurde fünf Monate nach der Tat von Innenminister Beuth zum Hessischen Polizeipräsidenten befördert. Er hat sogar im Zeugenstand im Untersuchungsausschuss zu Hanau seine Verantwortung zum nicht funktionierenden Notruf vertuscht. Wer über diese Skandale nicht sprechen will, sollte besser schweigen.
Es ist leider nichts Neues und eine weitere Enttäuschung, wenn hinter verschlossenen Türen von einem „eklatantem Versagen und unverzeihlichen Fehlern“ gesprochen und in der Öffentlichkeit an Relativierungen festgehalten wird. „Gab es interne Ermittlungen? Gegen wen und was hatten sie für Konsequenzen?“, fragt Niculsecu Păun. Es ist die Kontinuität der psychischen Gewalt durch die hessischen Behörden, die glauben mit einem „Wir machen in Zukunft alles besser“ würde man die Betroffenen besänftigen und Vertrauen aufbauen. Vaska Zlateva fragt: „Warum kommt die Entschuldigung erst jetzt? Warum nicht zum Jahrestag? Mein Cousin Kaloyan Velkov wurde erst eine halbe Stunde später gefunden und wir wurden tagelang nicht informiert. Kann man das mit einer Entschuldigung wiedergutmachen?“
Es ist gut, dass die Empfehlungen in der Zukunft umgesetzt werden sollen. Dies ist aber kein Geschenk für die Betroffenen, sondern die Pflicht der Behörden und des Staates!
Çetin Gültekin sagt: „Was passiert mit der Waffenbehörde Main-Kinzig-Kreis, die dafür verantwortlich ist, dass der rechtsextreme Täter legal Waffen besaß? Ich wünsche mir Konsequenzen für die Verantwortlichen, und dass die angekündigte Verschärfung des Waffenrechts in die Tat umgesetzt wird. Dann wären die Ankündigungen für mich glaubhaft.“
Es kann nur dann Vertrauen wieder aufgebaut werden, wenn der 19. Februar 2020 ernsthaft aufgearbeitet wird, Verantwortung übernommen wird und Konsequenzen folgen.
Die Kette des Versagens von Polizei und Behörden in Hanau
Zum 1. Jahrestag des rassistischen Terroranschlages in Hanau, dem 19. Februar 2021, hatte die Initiative 19. Februar Hanau einen ausführlichen Bericht veröffentlicht: „Die Kette behördlichen Versagens vor dem rassistischen Terroranschlag, in der Tatnacht und in den Monaten danach.“ (Siehe https://19feb-hanau.org/wp-content/uploads/2021/02/Kette-des-Versagens-17-02-2021.pdf)

Heute über vier Jahre nach dem rassistischen Anschlag wurden die zentralen Fehler, die wir recherchiert haben, bestätigt und sogar noch erweitert – nicht zuletzt durch die Recherchen von Journalist*innen, Forensic Architecture und den parlamentarischen Untersuchungsausschuss.
- 13 der 19 SEK-Polizisten, die in Hanau am Täterhaus im Einsatz waren, waren in rassistischen Chats beteiligt.
- Der Alarm für eine sogenannte Großlage wurde in den ersten drei entscheidenden Stunden nach der Tat nicht ausgelöst, weil der Einsatzleiter Jürgen Fehler es nicht für nötig erachtete.
- Das Ausmaß des Kommunikationschaos innerhalb der Polizei belegt ein 50-seitiger interner Polizeibericht, der erst nach dem dritten Jahrestag geleakt wurde.
- Kaloyan Velkov, das erste Opfer, wurde erst knapp 30 Minuten nach der Tat zufällig von der Polizei gefunden. Polizeibeamte sind über den Körper von Ferhat Unvar hinweggestiegen, ohne seine Vitalfunktionen zu überprüfen.
- Beamte schicken zwei Überlebende kurz nach dem Anschlag schutzlos zu Fuß zur Polizeistation, obwohl der Aufenthaltsort des Täters noch nicht bekannt war.
- Forensic Architecture rekonstruierte mit Hilfe eines Hubschraubervideos aus der Tatnacht, dass die Polizei die Eingänge des Täterhauses über lange Zeiten nicht sicherte und der Täter dadurch hätte fliehen können.
- Der eingesetzte Hubschrauber von der Polizei-Kommunikation abgehängt und bekam zu keinem Zeitpunkt die Anschrift des Täterhauses genannt.
- Vili Viorel Păun und viele andere haben den Notruf nicht erreicht. Der Notruf war in den entscheidenden Minuten nur mit einer Person besetzt, es gab kein Überlaufsystem. Das wurde lange vertuscht.
- Familie Păun wurde in der Tatnacht überhaupt nicht informiert, die Eltern erfuhren erst 16 Stunden nach der Tat auf eigene Anfrage hin vom Tod ihres Sohnes und wurden auch danach komplett allein gelassen.
- Die Familie von Mercedes Kierpacz wurde in der Tatnacht von einer Sondereinheit der Polizei mit vorgehaltener Waffe bedroht. Zu keinem Zeitpunkt wurde sich hierfür bei der Familie entschuldigt.
- Der verschlossene Notausgang in der Arena-Bar hat Hamza Kurtović und Said Nesar Hashemi das Leben gekostet. Weder die Staatsanwaltschaft noch die Polizei haben von Amts wegen Ermittlungen zum verschlossenen Notausgang eingeleitet, stattdessen haben sie es vertuscht. Erst die Strafanzeige von Familie Kurtović führte zur Prüfung. Der Hanauer Staatsanwalt Links sah davon ab, ein Verfahren zu eröffnen trotz aller Beweismittel. Seine zusammengereimten Argumente wurden durch die Recherchen der Familie Kurtović und die Rekonstruktion von Forensic Architecture und durch die Aussagen der Überlebenden, unter anderem von Said Etris Hashemi, im Untersuchungsausschuss widerlegt. Trotzdem wurde kein neues Verfahren eröffnet.
- Das Täterhaus wurde erst etwa 5 Stunden nach der Tat gestürmt.
- Der Vater des Täters hat nicht aufgehört mit rassistischen Schreiben und dem Nachstellen, Belästigen und Verhöhnen von Familienangehörigen der Opfer.
- Innenminister Peter Beuth und die Polizeiführung um Udo Münch (zur Tatzeit Polizeipräsident von Hessen), Roland Ullmann (zur Tatzeit Polizeipräsident von Südosthessen – im Juli 2020 befördert zum Hessischen Polizeipräsidenten), Jürgen Fehler (zur Tatzeit Polizeidirekter des Main-Kinzig-Kreises und Hanau – danach befördert) sowie Dirk Fornoff (zur Tatzeit Polizei-Abteilungsleiter in Frankfurt und heute in selber Funktion im Polizei-Präsidium Südhessen) haben im weiteren Verlauf systematisch vertuscht und sogar gelogen, um ihr Versagen und ihre Verantwortlichkeiten zu kaschieren.
Entgegen aller Versprechungen: Bleibt der rassistische Anschlag in Hanau auch in Sachen Waffenrecht ohne Konsequenzen?
Trotz wiederholter verschwörungstheoretischer Anzeigen zwei Monate vor seiner Tat an die Staatsanwaltschaften in Hanau und Karlsruhe wurde nicht einmal überprüft, ob der Täter von Hanau Waffen besaß. Sechs Monate vor den rassistischen Morden am 19. Februar 2020 hat er von der zuständigen Waffenbehörde sogar problemlos einen europäischen Feuerwaffenpass erhalten. Er konnte damit Gefechttrainings im europäischen Ausland durchführen. Im Untersuchungsausschuss des Hessischen Landtags zum Terroranschlag von Hanau wurde ein vielfaches Versagen der Waffenbehörde des Main-Kinzig-Kreise festgestellt. Der spätere Täter ignorierte fortlaufend Anfragen der Behörde, ohne dass daraus Konsequenzen gezogen wurden.
Der Attentäter, ein Rassist und psychisch kranker Mann aus Hanau, hat über viele Jahre legale Waffen besessen, weil das Waffenrecht es ermöglicht hat. In der Aufarbeitung des Terroranschlags in Hanau haben wir lernen müssen, dass es nicht nur ein Vollzugsproblem gab, sondern eine Prüfung der Zuverlässigkeit und Eignung – anders als es die Begriffe im Waffenrecht suggerieren – faktisch nicht stattfindet und alleine darin besteht, einige Daten abzufragen. Selbst bei erwiesenen Rechtsextremist:innen reicht das Waffenrecht nicht aus, um sie ohne Zweifel zu entwaffnen. Auch heute noch müssten die Behörden die persönliche Eignung und Zuverlässigkeit des Attentäters von Hanau nicht durch Befragungen, Gespräche oder Gutachten überprüfen. Rechtlich gesehen käme er nach wie vor legal an eine Schusswaffe.
Bis heute – über vier Jahre nach dem Anschlag in Hanau – hat sich daran – entgegen aller Versprechungen verschiedener Politiker:innen – nichts Grundsätzliches geändert. Auf verschiedenen Ebenen müssen wir in Hanau erleben, dass Behördenversagen ohne Konsequenzen bleibt. Offensichtlich gilt dies auch bezüglich der Fehler der Waffenbehörden und der Schutzlücken im Waffenrecht. Es stellt sich die Frage, warum Verfassungsfeinde und psychisch Kranke nach wie vor legal an Schusswaffen kommen und das Waffenrecht von der Bundesregierung nicht überarbeitet wird.
„Rassisten entwaffnen“ ist und bleibt eine unserer konkreten Forderungen. Wenn aus Hanau wirklich gelernt werden will, braucht es dringend ein neues, verschärftes Waffenrecht, mit dem Rassisten und auch psychisch kranke Menschen konsequent entwaffnet werden und keine neue Waffen erhalten dürfen.
Initiative 19. Februar Hanau am 24. Mai 2024
4 Jahre nach dem rassistischen Anschlag in Hanau: Wir trauern und erinnern.
Auf dieser Seite informieren wir euch zu Aktionen zum 4. Jahrestag des rassistischen Anschlags.
Hier die Audiobotschaften für die dezentralen Gedenkveranstaltungen:
Zum Download Rechtsklick auf den Player und File sichern.
Am 19.02.2024 versammeln wir uns um 21:30 Uhr am Kurt-Schumacher-Platz und am Heumarkt um gemeinsam zu erinnern und uns nicht alleine zu lassen. – Alle sind herzlich eingeladen.
How to Demo Route Ablauf Treffpunkte:
Pressemitteilung, 06.02.2024: Vier Jahre nach dem rechtsterroristischen Anschlag in Hanau
Aufruf zur bundesweiten Gedenkdemonstration in Hanau | 17. Februar 2024
Say Their Names!
4 Jahre nach dem rassistischen Anschlag vom 19. Februar 2020
14:00 Uhr, Kurt-Schumacher-Platz
Nach den rassistischen Morden in Hanau am 19. Februar 2020 haben wir uns ein Versprechen gegeben: Die Namen der Opfer nicht zu vergessen. Wir tragen eure Namen überall hin. Seit vier Jahren. Und wir werden keine Ruhe geben.
Gegen das Vergessen
Jedes Jahr, jeden Monat, sagen wir 9 Namen und meinen alle Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Wir gedenken aller und meinen alle.
Ihre Namen erinnern uns und fordern uns auf, den rassistischen Normalzustand im Alltag, in Behörden, Politik, Medien und in den Sicherheitsapparaten konsequent zu bekämpfen. Dieser Zustand ist der Nährboden, auf dem der Hass der Täter überhaupt erst gedeihen kann. Ihre Namen erinnern uns daran, dass die Vernichtungsfantasien und Umsturzpläne extrem rechter Netzwerke tödlich enden.
Rassistische Anschläge, wie am 19. Februar 2020, werden durch die strukturelle Inkompetenz und durch den Unwillen von Behörden weder verhindert noch aufgeklärt. Das ist das Zusammenspiel, das in den Anschlägen seine mörderische Folge findet und deswegen sind rechte Terrorakte niemals Einzeltaten.
Keine Gerechtigkeit ohne Konsequenzen
Betroffenheit und Lippenbekenntnisse reichen nicht. Es ist Zeit für lückenlose Aufklärung und konkrete Konsequenzen. Wir fordern ein genaues Zuhören und eine Solidarisierung mit den Betroffenen. Für die Verantwortlichen darf es kein weiter so geben. Nicht für die, die schweigen. Nicht für die, die wegschauen. Nicht für die, die vertuschen. Und nicht für die, die die Täter schützen und nicht die Opfer. Für uns ist nichts mehr wie zuvor. Schmerz und Wut sind zur Normalität geworden.
Gemeinsam gegen die Angst
In den letzten vier Jahren kam es immer wieder zu Begegnungen von Überlebenden und Angehörigen. Wir haben uns versammelt zu gemeinsamen Gedenken an die Opfer von Hanau, von Halle, von Dessau, Köln, Duisburg, München, Dortmund und vielen mehr. Das Wichtigste ist jetzt, dass alle Betroffenen rechter Gewalt zusammenkommen, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam weiterkämpfen.
In Hanau und in vielen Städten setzen wir uns genau deshalb tagtäglich für eine lückenlose Aufklärung rechter, antisemitischer und rassistischer Morde und Gewalttaten ein. Für Gerechtigkeit und politische Konsequenzen. Für ein angemessenes Erinnern. Und vor allem: Für eine Gesellschaft, in der Rassismus, antimuslimischer Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus nicht die Normalität sind, für niemanden. In der wir nicht auf den nächsten Anschlag warten, sondern sicher und gemeinsam leben können.
Am 17. Februar 2024 möchten uns wir mit euch allen in Hanau zu einer Gedenkdemonstration versammeln. Um mit vielen gemeinsam zu trauern und zu erinnern.
Say Their Names. Erinnern heißt verändern.
Weiteres Material findet ihr hier:
Hanau ist überall!
An folgenden Orten finden am und um den 19. Februar 2024 Kundgebungen, Demos und Gedenkveranstaltungen statt.
Um auf die Liste aufgenommen zu werden schreibt einfach eine Mail an info@19feb-hanau.org
„And now Hanau“ – Theater am 20. und 21. Januar im Neustädter Rathaus in Hanau
Das Theaterstück von Regisseur Tuğsal Moğul, das im Mai 2023 Premiere bei den Ruhrfestspielen hatte und mittlerweile in einigen weiteren Städten zu sehen war, kommt kurz vor dem 4. Jahrestag des rassistischen Terroranschlages erstmals direkt nach Hanau.
Es wird zwei Aufführungen des etwa 90 minütigen Stückes im Neustädter Rathaus am Marktplatz (im Sitzungssaal der Stadtverordneten) geben:
— am Samstag, dem 20. Januar 2024 um 18:00 Uhr;
— am Sonntag, dem 21. Januar 2024, um 17:00 Uhr, mit anschließendem Gespräch mit dem Regisseur sowie Angehörigen.
Weitere Informationen zum Theaterstück: https://www.ruhrfestspiele.de/programm/2023/and-now-hanau
Aus der Frankfurter Rundschau zur Aufführung in Frankfurt im Römer im Oktober 2023: https://www.fr.de/frankfurt/anschlag-von-hanau-die-perspektive-der-opfer-92601820.html
Der Eintritt ist kostenfrei, die Plätze sind allerdings auf 80 Personen pro Veranstaltung begrenzt.
KEINE TICKETS MEHR VERFÜGBAR!
Angehörige, Überlebende, die Initiative 19. Februar Hanau und NSU-Watch Hessen haben über 18 Monate lang jede der insgesamt 30 öffentlichen Sitzungen des Untersuchungsausschusses beobachtet, dokumentiert und kommentiert. Gemeinsam haben wir die offenen Fragen und Anklagen der Betroffenen sichtbar und unüberhörbar gemacht. Mit der Website kein-abschlussbericht.org wollen wir dazu beitragen, dass die Kette des polizeilichen und behördlichen Versagens auch weiterhin öffentlich kritisiert und skandalisiert wird. Solange keine politische Verantwortung für die Fehler und Versäumnisse übernommen wird, wird es keine Ruhe geben. Wir kämpfen weiter um Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung und Konsequenzen.
Statement zum UNA Abschlussberichts: Zentrale Versagenspunkte ohne Konsequenzen und von parteipolitischen Interessen geleitet – Initiative 19. Februar Hanau zur Verabschiedung des Abschlussberichtes des Untersuchungsausschusses zum Hanauer Anschlag










